Bericht: 3. Emsländischer Schulleitungstag

Am 04. September 2017 fand der 3. Emsländische Schulleitungstag in Lingen (Ems) statt. Der nachfolgende Artikel wurde in der NOZ veröffentlicht.

Lingen. Wertvolle Anregungen für Rektorinnen und Rektoren aller Schulformen hat der „3. Emsländische Schulleitertag“ am Montag im Ludwig-Windthorst-Haus geliefert.

Vorbereitet hatte diesen das Leitungsteam des „Netzwerkes Schulleitungen im Emsland“, ein Gremium, das der frühere Leiter der Waldschule Leschede in Emsbüren, Günter Fiening, ins Leben gerufen hat. Im Mittelpunkt des Tages stand ein Vortrag von Heinrich Brinker, Rektor der Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf, die 2016 mit dem mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden ist.

Keine festen Klassenstrukturen

Warum das so ist, machte Brinker, der gebürtig aus Gersten kommt und vor 40 Jahren in Handrup sein Abitur gemacht hat, im Vortrag deutlich. Der Pädagoge hatte die Leitung der Schule im Jahr 1995 begonnenund diese im Laufe der Zeit komplett umgekrempelt. Brinkers Motto: „Wer ohne Visionen Schule leitet, kann nur noch verwalten.“

In der Direktheit, wie er es am Montag in der Aula des LWH formulierte, ging er dann auch in den vergangenen Jahren in Schüttorf ans Werk. Feste Klassenstrukturen gibt es in der dreizügigen Grundschule nicht, auch keinen nach Deutsch, Rechnen und Sachkunde durchgetakteten Stundenplan. Stattdessen gibt es eine Selbstlernzeit von knapp 100 Minuten mit anschließender Präsentation durch den Schüler, Bewegungsphasen und das „Experiment der Woche“. Die Kinder entscheiden interessengeleitet, der Lehrer ist Lernbegleiter und Lerncoach. Die Kinder bewegen sich frei in der Schule und nehmen ihr Magnet-Namensschild für die Tür des Raumes mit, den sie sich aussuchen wollen – das „Forscherlabor“ vielleicht mit 92 Themenkisten? Dass jedes Kind morgens per Handschlag begrüßt wird, ist ein Teil der gegenseitigen Wertschätzung an der Schule.

Der „Direx-Faktor“

Bis diese schließlich so weit war, dass ein Vertreter der Schulinspektion 2015 feststellte, es gebe nichts mehr zu verbessern und die Schule solle sich doch um den Deutschen Schulpreis bewerben – was sie dann auch erfolgreich tat. Gleichwohl war es ein langer Weg bis dahin. Es sei ein Prozess über einen Zeitraum von über 15 Jahren gewesen, sagte der Rektor. Die Eltern hätten mitgenommen werden müssen und vor allem auch das Kollegium selbst. Jede Veränderung bedeute auch Widerstand, sagte Brinker. „Es ist enorm schwierig, aus der antrainierten Lehrerrolle herauszutreten“. Wer permanent in Negativstrukturen denke, bleibt seinen Worten zufolge darin auch verhaftet. Allein könne er gar nichts machen. Was an der Grundschule geleistet werde, sei eine Teamleistung, unterstrich Brinker. Was er nicht erwähnte: Den „Direx-Faktor“, wie das Magazin Stern über ihn titelte. „Herr Brinker ist der Beste“, gab das Magazin die Überschrift eines Schülerplakats wieder. Der Hospitationskalender der Schüttorfer Grundschule mit Besuchswünschen anderer Schulen ist über das Jahr 2018 hinaus voll.

„Ich möchte Mut machen, aber es ist trotzdem ein langer Weg“, sagte Brinker abschließend. Fiening und der Erste Kreisrat Martin Gerenkamp dankten ihm für den umfangreichen Einblick in die pädagogische Arbeitsweise der im wörtlichen wie übertragenen Sinne ausgezeichneten Grundschule.

Quelle: https://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/946656/brinker-ohne-visionen-kann-man-schule-nur-verwalten