Fachtag „Digitale Bildung“: Wenn ein Algorithmus Kinder unterrichtet

Auf Einladung der Bildungsregion Emsland gab der Gymnasialdirektor Martin Fugmann aus Gütersloh vor etwa 100 Schulleitern und Lehrern aus dem Landkreis Beispiele aus der „neuen Welt“. Der Pädagoge leitete für mehrere Jahre eine deutsche Schule in Silicon Valley, südlich von San Francisco in Kalifornien, einem der bedeutendsten Standorte der IT- und High-Tech-Industrie weltweit.

In seiner Zeit in den USA habe er verschiedene neue Unterrichtskonzepte kennengelernt. So erlebe derzeit etwa die „Altschool“ einen enormen Zulauf. Das Besondere an der Schulform: Die Kinder lernen alles per Tabletcomputer. Sie sitzen in einem Klassenraum und werden über das Tablet geschult. Ein Algorithmus bewertet dabei die Leistungen der Schüler und gibt entsprechende Lehrpläne vor. Über eine Web-Kamera haben die Eltern von zu Hause aus die Möglichkeit, in den Klassenraum zu sehen. Die Nachfrage ist laut Fugmann groß. In New York habe „Altschool“ 60 Plätze angeboten, 900 Bewerbungen von Eltern gingen ein.

Schon seit 20 Jahren Thema

Ein solches Szenario wird es aber in Deutschland oder im Emsland so schnell nicht geben. Wie Fugmann ausführte, sei die Digitalisierung in der Schule schon seit mehr als 20 Jahren ein Thema. Jedoch habe sie den Unterricht bislang noch nicht nachhaltig verändert. Es müsse deshalb gemeinsam die Initiative ergriffen werden und ein Netzwerk geschaffen werden, in dem nicht nur auf Lerninhalte, sondern auch auf Lernstandmessungen zugegriffen werden könne. Auch Arbeitsmaterial sollte im Idealfall von den Lehrern selbst erstellt und dann gemeinschaftlich genutzt werden. Für die Schüler müsse sichergestellt werden, dass sie ein digitales Endgerät zur Nutzung in der Schule erhalten, etwa über Kooperationen oder Leasing-Modelle mit Herstellern.

Dass Bildung auch die entsprechende Ausstattung braucht, darauf wies auch der Erste Kreisrat Martin Gerenkamp in seinen einführenden Worten hin. Zwar habe man bereits 3000 Computer, 660 Notebooks und 360 digitale Whiteboards in den Schulen des Emslandes eingeführt. Doch seien einige der Whiteboards schon sieben Jahre alt. Gerenkamp wies weiter auf den Ausbau des Breitbandnetzes hin, wofür der Landkreis 60 Millionen Euro in die Hand nehme.

Alle drei Monate technische Neuerungen

Fugmann wies darauf hin, dass technische Neuerungen auf dem Gebiet der Digitalisierung alle drei Monate anstünden. „Ein Albtraum für jeden Schulträger“, so Fugmann. Deshalb müsse die Entwicklung immer mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept einhergehen. Eine flächendeckende Breitbandversorgung sei für die Umsetzung der Digitalisierung an Schulen ebenfalls notwendig.

In die Details der digitalen Entwicklung in den Schulen ging es im Anschluss in zahlreichen Workshops und Vortragsreihen. Dabei standen Lernmanagement-Systeme, die digitale Materialablage oder etwa eine Bildungscloud im Fokus.

Quelle: Dieser Artikel ist am 28.10.2017 in der NOZ (Meppener Tagespost) erschienen. Link zum Originalartikel