Mo. | 07. September 2026 | 09 Uhr Fachtag "Wenn zuhause der Sturm tobt"

„Wenn zuhause der Sturm tobt – Kinder und Jugendliche im Kontext von Partnerschaftsgewalt

Häusliche Gewalt gehört zu den gesellschaftlichen Herausforderungen, die weitreichende Folgen für alle Familienmitglieder haben. Besonders Kinder und Jugendliche geraten dabei häufig aus dem Blickfeld, obwohl sie die Gewalt unmittelbar miterleben und deren Auswirkungen oftmals über viele Jahre tragen. Die Belastungen zeigen sich auf sehr unterschiedliche Weise: durch Rückzug, Ängste, Verhaltensauffälligkeiten, schulische Schwierigkeiten oder psychosomatische Beschwerden. Nicht selten werden diese Signale jedoch übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben.

Für pädagogische Fachkräfte ist es daher von großer Bedeutung, sich mit den Auswirkungen von Partnerschaftsgewalt auf Kinder und Jugendliche auseinanderzusetzen. In Kindertagesstätten, Schulen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie in vielen weiteren Arbeitsfeldern begegnen Fachkräfte jungen Menschen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Um Kinder und Jugendliche angemessen unterstützen zu können, braucht es Wissen über die Dynamiken von Gewalt, Sensibilität für mögliche Anzeichen sowie Handlungssicherheit im professionellen Umgang mit Betroffenen.

 

Der Fachtag „Wenn zuhause der Sturm tobt – Kinder und Jugendliche im Kontext von Partnerschaftsgewalt“ greift diese wichtige Thematik auf und bietet Raum für fachliche Auseinandersetzung, Austausch und Vernetzung. Ein einführender Hauptvortrag vermittelt aktuelle Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Partnerschaftsgewalt auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und beleuchtet die Herausforderungen, denen Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit begegnen.

Hauptvortrag: „Und was ist mit uns – Kinder und Jugendliche im Kontext von Partnerschaftsgewalt“ Prof. Dr. Angelika Henschel (i.R.)

 

 

 

 


Folgende Workshops werden angeboten

Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 1: „Wutmann/Sinna Mann“ (Film: Norwegen 2009, 18 Minuten) Prof. Dr. Angelika Henschel

Der vielfach prämierte Animationsfilm von Anita Killi behandelt Partnerschaftsgewalt in der Familie aus Perspektive des Kindes Boj. Er zeigt die Auswirkungen von Partnerschaftsgewalt auf das Erleben von Boj und arbeitet das Element der Kindeswohlgefährdung sowie die Opfer-Täterbeziehungen heraus. Im Rahmen des Workshops wollen wir den Film genauer analysieren, seine Wirkung diskutieren und einen evtl. didaktischen Einsatz in der Arbeit mit Kindern oder Fachkräften einordnen.


Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 2: Zwischen Zuhören und Leiten - Der Lüneburger Gesprächsleitfaden Dr. phil. Reinhard Mario Fox, Psychologischer Psychotherapeut, Gesprächspsychotherapeut, Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg, Autor des Lüneburger Gesprächs

Da sich die Opfer von Partnerschaftsgewalt in einer extremen Krise der existentiellen Bedrohung befinden, psychisch also schwerwiegend belastet sind, erfordert ein Gesprächsangebot eine hohe Kommunikationskompetenz der pädagogischen Fachkraft. Im Workshop wird erarbeitet, welche spezifischen psychischen Konflikte das Gewaltopfer typischerweise erlebt. Im weiteren Verlauf beschäftigen wir uns mit hilfreichen Gesprächsstrategien und es wird die Möglichkeit gegeben, das beschriebene personenzentrierte Gesprächsmodell in Übungseinheiten zu erproben.


Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 3: „Warum geht sie nicht einfach?!“ - Frauen stärken. Gewalt erkennen. Handlungssicherheit gewinnen. - Gabriele Middendorf, „Beratung und Unterstützung bei häuslicher Gewalt“, Caritasverband für den Landkreis Emsland, Papenburg

„Warum geht sie nicht einfach?“ – diese Frage begegnet Fachkräften im beruflichen Alltag immer wieder. Im Rahmen dieses Workshops greifen wir diese häufig gestellte Frage auf, um ein differenziertes Verständnis für die vielschichtigen Dynamiken von Partnerschaftsgewalt und geschlechtsspezifischer Gewalt zu entwickeln. Dabei setzen wir uns mit unterschiedlichen Formen von Gewalt auseinander und betrachten die individuellen, sozialen und strukturellen Faktoren, die dazu beitragen können, dass Frauen in belastenden oder gewaltgeprägten Beziehungen verbleiben. Ziel ist es, vorschnelle Bewertungen zu hinterfragen und die Lebensrealitäten betroffener Frauen besser zu verstehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Orientierung im bestehenden Hilfesystem sowie auf den Zugangswegen zu Beratungs-, Unterstützungs- und Präventionsangeboten. Gemeinsam erarbeiten wir praxisnahe Handlungsmöglichkeiten, um Frauen ressourcenorientiert zu stärken, ihre Handlungsspielräume zu erweitern und sie professionell in ihren Entscheidungsprozessen zu begleiten.


Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 4: „Das Problem ist meine Frau!“ Martin Barlage, Beratungsstelle „Männer gegen Männer-Gewalt Euregio e.V.“

Partnerschaftsgewalt entsteht nicht plötzlich und ohne Vorzeichen. Ihr gehen meist längere Prozesse voraus, die von Schweigen, Aushalten, Überforderung sowie Gefühlen von Angst, Hilflosigkeit und Ohnmacht geprägt sind. Häufig bleiben diese Dynamiken lange verborgen, bis die Situation eskaliert und „der Sturm zu Hause“ ausbricht. Anhand von vier Fallbeispielen wird in diesem Workshop die Beratungsarbeit mit Männern vorgestellt, die im Kontext häuslicher Gewalt grenzüberschreitendes oder gewalttätiges Verhalten gezeigt haben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Gewaltkreislauf, der ein zentrales Arbeitsmodell der Beratungsstelle Männer gegen Männer-Gewalt Euregio e.V. darstellt. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in die Entstehung, Aufrechterhaltung und mögliche Unterbrechung solcher Gewaltmuster sowie in die pädagogische und beratende Arbeit mit den Betroffenen.


Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 5: Häusliche Gewalt erkennen – Kinder stärken Inge Hennekes, Systemische Familientherapeutin, Supervisorin

Häusliche Gewalt ist ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt – und doch betrifft es viele Kinder unmittelbar oder indirekt. Als pädagogische Fachkräfte begegnen Sie diesen Kindern im Alltag vielleicht häufiger, als es auf den ersten Blick scheint. Diese Fortbildung möchte Ihnen Sicherheit im Umgang mit diesem sensiblen Thema geben. Sie lernen, mögliche Anzeichen häuslicher Gewalt frühzeitig zu erkennen und einzuordnen. Gleichzeitig erhalten Sie praxisnahe Impulse, wie Sie betroffene Kinder achtsam begleiten und in ihrer Resilienz stärken können. Neben fachlichem Input bietet die Fortbildung Raum für Austausch, Reflexion und konkrete Fallbeispiele aus der Praxis. Ziel ist es, Ihnen mehr Handlungssicherheit zu vermitteln und Kinder in belastenden Lebenssituationen einfühlsam zu stärken. Denn jedes Kind hat das Recht auf Schutz, Sicherheit und eine starke Stimme.


Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 6: Kinder stärken – Wie Partizipation in Schule und Kindertagesstätte gelingen kann Angelika Buse, Systemische Therapeutin - Beratung „Sturmfest“ und Petra Natelberg, Lehrerin an der Heinrich-Middendorf Oberschule Aschendorf

Damit Kinder und Jugendliche ihre Gegenwart und Zukunft aktiv mitgestalten können, ist es wichtig, sie an allen sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen. Dieses Recht auf Beteiligung ist in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention verankert und unterstreicht die Bedeutung, die Perspektiven, Wünsche und Bedürfnisse junger Menschen ernst zu nehmen und in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit den Grundlagen und Möglichkeiten gelingender Partizipation. Gemeinsam erarbeiten wir: • die Bedeutung von Partizipation sowie verschiedene Stufen der Beteiligung, • die Rolle von Partizipation im Kontext von Kinderschutz und Partnerschaftsgewalt, • konkrete Beteiligungsmöglichkeiten in Schule und Kindertagesstätte, • zentrale Themen und Rahmenbedingungen, die für erfolgreiche Partizipationsprozesse von Bedeutung sind. Anhand von Praxisbeispielen aus Ihrem und unserem beruflichen Alltag werden die Inhalte vertieft, reflektiert und auf konkrete Handlungssituationen übertragen.


Mo. | 07. September 2026 | 13:30 Uhr Workshop 7: Partnerschaftsgewalt und Umgangsrecht Vanessa Weber und Alena Bauer - Allgemeiner Sozialdienst Landkreis Emsland, Außenstelle Aschendorf

Umgang bei Partnerschaftsgewalt Jedes Kind hat ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil und jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt. Gleichzeitig haben die Eltern alles zu unterlassen, was das Verhältnis zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtig oder erschwert. Wie gestaltet sich die rechtliche Situation in der Praxis bei Partnerschaftsgewalt? In diesem Workshop werden verschiedene Wege mit und ohne familiengerichtliche Beteiligung aufgezeigt.



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